Geschichte des Großzschepaer Rittergutes

(ein Beitrag von Gerold Aé - veröffentlicht in der LVZ am 13./14.8.2005)


Geschichte1In der urkundlichen Ersterwähnung von Zschepa aus dem Jahre 1223 wird als Besitzer des Lehnhofes „Cuonrad von Schephe, Schenk des Königs“ genannt. Er wird sicher nicht der erste Besitzer gewesen sein.

Bereits im 11. Jahrhundert muss an gleicher Stelle schon ein Gut gewesen sein und daneben ist die Kirche gebaut worden. Bei Grabungen in der Kirche sind Gräber und Scherben aus dem 11. Jahrhundert gefunden worden. Von 1223 bis 1945 sind in der Chronik von Großzschepa 37 Besitzerwechsel nachgewiesen.

Von 1666 bis 1750 war das Rittergut im Besitz der Familie von Hartitzsch. Aus dieser Zeit ist an baulicher Substanz noch das Schloss, ein Rest von der Scheune und eine Ruine aus der Gärtnerei vorhanden. Das heutige Schloss ist etwa in der Zeit von 1710 bis 1720 unter Karl Reinhardt von Hartitzsch im Barock erbaut. Von einem Vorgängerbau ist nichts überliefert.

Man weiß im Einzelnen nicht, wie das Haus im Inneren aussah. An einem Sonntag, den 4. November 1742, brannte es bis auf die Grundmauern nieder und wurde wieder aufgebaut. Es ist sicher immer nach dem Geschmack und Bedarf der jeweiligen Besitzer verändert und modernisiert worden.

1855 wurden Blitzableiter installiert. 1864 wurde an der nordöstlichen Front des Hauses eine Freitreppe gebaut, 1879 das Dach mit Schiefer versehen. Im 20. Jahrhundert wurden eine Dampfheizung sowie ein Aufzug von der Küche nach oben eingebaut.

Der Haupteingang zum Schloss lag im Mittelrisalit mit einer feinen Tür zu einem kleinen Vorbau mit Balkon. Über der Tür zum Balkon war an der Wand ein Wappen mit Monogramm aus Sandstein oder Mörtel. Dieser Teil des Hauses war das architektonisch und denkmalpflegerisch Wertvollste am ganzen Haus und wurde leider beim Umbau zum Kulturhaus um 1970 abgerissen.

Mit der Bodenreform 1945 begann der erste Niedergang des schönen Hauses und des Parks. Die westliche Hälfte und die Scheune kamen zu einer Neubauernstelle. Das Schloss, den östlichen Teil des Parks und das Inspektorhaus erhielt die Gemeinde. Das Schloss wurde Wohnhaus für viele Familien, denn es herrschte durch die vielen Flüchtlinge Wohnungsnot.

Die zum Teil großen und hohen Zimmer mussten den neuen Bedürfnissen entsprechend umgebaut und verändert werden. Da es an geeignetem Brennmaterial und an der richtigen Wartung fehlte, wurde auch die Dampfheizung ausgebaut. Das Schieferdach von 1879 war sehr schadhaft und wurde 1954 durch Biberschwanzziegel ersetzt. Dabei wurden in das Mansarddach Fenster für eventuelle Wohnungen eingebaut.


Schule und Kulturhaus


Um 1960 war die Wohnungsnot nicht mehr so groß und das Schloss konnte anders genutzt werden. Die 1829 gebaute, 1876 und 1936 erweiterte Schule reichte nicht mehr aus und da bot sich das Schloss an. Die verkleinerten Zimmer wurden zu Klassenzimmern und eine Dampfheizung wurde auch wieder eingebaut.

Der Saal im zweiten Obergeschoss wurde zum Turnen und ab 1967, als der Gasthof seine Pforten schloss, auch für Veranstaltungen genutzt. Die Großzschepaer bemühten sich sehr um den Erhalt der Schule. Die Kinderzahl in Großzschepa nahm aber nicht zu und in Hohburg war die Schule vergrößert worden. So wurde die Schule 1970 geschlossen und die Kinder gingen nach Hohburg zur Schule.

Nachdem das Projekt „Schulstandort Großzschepa“ gescheitert war, beschloss der Gemeinderat den Umbau zum Kulturhaus. Der Gasthof in Kleinzschepa hatte 1970 geschlossen und es fehlte an einer geeigneten Stätte für Freizeit und Versammlungen.

Das große Treppenhaus wurde total verändert, die Treppe ausgebaut und eine massive Decke eingebaut. Darauf entstand ein Saal. In den Zimmern zur Parkseite wurden die Zwischenwände abgerissen. Die Räume wurden mit Tischen und Stühlen zur Sitzfläche hergerichtet.

Der untere Hausflur wurde ein Speiseraum für die sogenannte gesellschaftliche Speisung und Versammlungsraum.

Die moderne Schulküche war noch in Betrieb und man konnte wochentags dort essen oder das Essen nach Hause holen. Für den Speiseraum und die Küche wurde eine separate Warmwasserheizung eingebaut.

Die Bewirtung bei Vergnügungen übernahm anfangs Familie Helmut Vetter und später Familie Klaus Kresse.


Nutzung nicht in Sicht


Geschichte2Nach 1990 war das Dach von 1954 sehr schadhaft geworden und manchmal fielen Ziegel herunter. Im Winter 1990/91 erhielt das Haus ein neues Dach aus Falzziegeln. Dabei wurden die Mansardenfenster nicht wieder eingebaut. Das Haus war nun bauseitig wieder gesichert.

Am 15. Februar 1993 trat die Vereinbarung über die Zusammenarbeit der Gemeinden Hohburg, Lüptitz und Großzschepa in Kraft. Die neue Großgemeinde Hohburg brachte den Etat für die Unterhaltung des Kulturhauses nicht mehr auf, räumte das noch brauchbare Inventar aus und schloss das Haus zu.

Am Abend des 27. Januar 1994 tobte über Großzschepa eine Windhose hinweg, die großen Schaden anrichtete. Am stärksten waren das Schloss und der Park betroffen. Der Dachstuhl im Mittelteil war um einen halben Meter nach Osten verrückt. Er wurde wieder gerichtet.

Eine Nutzung des Hauses war nicht in Sicht. Einer begann mit Bauen, riss dabei aber mehr ab. Das 1991 neu gedeckte Dach wurde herunter genommen mit der Begründung, dass der Denkmalschutz Biberschwanzziegel gefordert hatte. Es kamen aber keine.

Das Dach wurde mit einer Plane abgedeckt. Innen wurden Wände und Decken heraus gerissen, weil eine Nutzung im Wellnessbereich vorgesehen war. Um das Haus wurden die Mauern frei gelegt, um eine Trockenlegung zu erreichen. Aber der Graben stand über ein Jahr voll Wasser und ist jetzt wieder verfüllt. Seit etwa 2002 ruht jegliche Bautätigkeit. Das Gerüst, das hier lange Zeit auf Baubeginn hoffen ließ, wurde inzwischen abmontiert.

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