Ehemalige Gebäude und Anlagen des Rittergutes

(ein Beitrag von Gerold Aé und Dr. Jürgen Schmidt)


1. Schloss, Lindenallee 16


Erbaut um 1720 von Karl Reinhard von Hartitzsch, zweigeschossig über einem hohen Sockel-Geschoss mit Mansarddach in Bruchstein- und Ziegelmauerwerk. 1742 bis auf die Grundmauern niedergebrannt und danach wiederaufgebaut. Mehrfache Umbauten und Erneuerungen. 1945 wurde es enteignet und diente danach zu Wohnzwecken, als Kindergarten und Schule sowie als Kulturhaus und Verwaltungssitz mit Küche. Der Haupteingang war im Mittelteil, gegenüber dem Wirtschaftshof. Darüber ein kleiner Balkon, über dessen Tür ein Wappen mit Monogramm aus Sandstein. Das alles wurde beim Umbau zum Kulturhaus abgebrochen. 1990/91 wurde das Haus mit Falzziegeln neu eingedeckt, nach dem Verkauf durch die Gemeinde Hohburg im Jahr 2000 verschiedene Umbauten. Nach behördlichem Baustopp blieb das Haus mit offenem Dach über 10 Jahre dem Verfall preisgegeben und muß aus Sicherheitsgründen 2013 abgebrochen werden.


2. Ehemaliges Inspektorhaus, Lindenallee 14


Erbaut nach 1845 nach einem Vorgängerbau als Wohnhaus für Rittergutspächter oder Inspektoren sowie weitere Mitarbeiterfamilien. 1945 enteignet und in Gemeindehand als Wohnhaus bis 2001 genutzt.


3. Schlosspark und Schlossgarten


Über den Park und Garten ist wenig genaues überliefert. Um 1860 hat man viel für den Park und Garten getan, es wurden zwei Gartenhäuschen und eine künstliche Grotte gebaut. Der Hügel im Nordosten des Parks ist noch als einziger Rest von den schönen Bauten vorhanden. Der Garten befand sich südlich des Parks, hier entstand 1861/62 eine Orangerie, wovon nur noch ein Mauerrest zu sehen ist. 1945 kam ein Teil des Parks zu einer Neubauernstelle, der andere Teil mit Schloss und Inspektorhaus wurde Gemeindeeigentum. Der Garten wurde an Neubauern aufgeteilt.


4. Ehemaliger Misthof oder Mistplatz


Durch den Neubau des Kuhstalles und im rechten Winkel dazu des Gebäudes für Stroh und Heu entstand ein neuer Viehhof. In dem Karree davor war der Misthof, dieser ging zum Teil über den Bereich der heutigen Neubauernstalle hinaus. Der Mist aus dem Kuhstall wurde im Stall mit der Gabel auf eine „Mistschleppe“ geladen, die dann mit einem „Mistochsen“ hinaus auf den Misthaufen gezogen wurde. Dabei erfolgte auch immer ein Festtreten des Mistes. Der Misthof war eingezäunt.


5. Lindenallee 12


Das Haus war Schuppen für Handelsdünger und Stall, im Dachgeschoss wohnte der Oberschweizer (Melker). Nach 1945 wurde daraus eine Neubauernstelle.


6. Kutscherwohnung, Kutschpferdestall und Remise, Lindenallee 10


Etwa 1850 bis 1870 in Bruchstein- und Ziegelmauerwerk erbaut. 1945 enteignet und als Neubauern-stelle umgebaut.


7. Abgebrochenes Stallgebäude, Schlossstraße 13


Zwischen den heutigen Grundstücken Schlossstraße 13 und Lindenallee 11 stand bündig ein Stallgebäude, welches nach der Bodenreform abgebrochen wurde. Das ehemalige Gebäude ist 1864 als Schweinestall im Zuge der Erweiterung des Rittergutshofes erbaut worden.


8. Ehemaliger Kuhstall, Lindenallee 11


Etwa um 1864 in Bruchstein- und Ziegelmauerwerk im Zuge der Vergrößerung des Rittergutshofes gebaut. Nach 1945 enteignet und zu einer Neubauernstelle umgebaut. Der größere Teil wurde dabei abgerissen, ein kleiner Teil ist noch in dem Gebäude der ehemaligen Neubauernstelle erhalten. Der noch stehende Anbau des Stalles diente als Futterhaus.


9. Ehemalige Brauerei/Brennerei


Im Jahr 1820 wurde an Stelle des alten baufälligen ein neues, weit geräumigeres Brauhaus gebaut. Mit der Wiederverpachtung des Rittergutes 1841 entstand daraus eine Brennerei. Der genaue Zeitpunkt des Abrisses dieses Gebäudes ist nicht bekannt.


10. Ehemaliges Wiegehaus


Erbaut um 1940 mit einer Viehwaage, die von den Fleischern der umliegenden Dörfer mitbenutzt werden konnte. Im Zuge der Zwangswirtschaft im Krieg 1939/45 mussten alle Fleischer ihr Schlachtvieh wiegen, denn die Lebensmittel waren rationiert. Es gab schon vorher eine Viehwaage im Rittergut, aber durch die öffentliche Nutzung machte sich der Neubau notwendig.


11. Torpfeiler von der Hofeinfahrt zum Rittergut, Ecke Lindenallee-An der Mauer


Erbaut in Bruchsteinmauerwerk im Rahmen der Erweiterung des Rittergutshofes nach Süden 1860 bis 1870.


12. Ehemalige Gutarbeiterhäuser, Hintergartenweg 5 bis 13


Erbaut 1710 bis 1720 von Karl Reinhard von Hartitzsch. „… lies er sechs Häuschen außerhalb des Dorfes, … aufführen und tat sie an Hausgenossen (Rittergutsarbeiter) aus, in deren Besitz sie allmählich übergegangen sind.“ Von den 6 Häusern stehen noch Nr. 5,7 und 9, aber stark modernisiert.


13. Ehemaliges Gutsarbeiterhaus und Schäferei, Zschepaer Hauptstraße 1-3


Erbaut 1938 vom Rittergutsbesitzer Curt Renz nach einem Vorgängerbau, der das Wohnhaus für den Rittergutsschäfer war. Der Schafstall stand hinten quer, brannte 1855 ab und wurde danach wieder aufgebaut. 1908 brannte er erneut ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Nach der Enteignung 1945 entstanden aus dem Grundstück zwei Neubauernstellen.


14. Wohnstallhaus eines ehemaligen Halbhufengutes, Schlossstraße 6


Erbaut 1855 nach einem Brand des Vorgängerbaues in Bruchstein- und Ziegelmauerwerk. Gegenüber war die Scheune des Gutes und ein Stallgebäude stand östlich davon. Das Gut wurde 1884 an das Rittergut verkauft, das Haus und die Scheune vermietet. Dies Gebäude waren von der Enteignung 1945 nicht betroffen und wurden 1957 von der früheren Rittergutsfamilie verkauft.


15. Ehemaliges Stallgebäude und Turmhaus, Schlossstraße 13


Das Gebäude entstand von 1850 in Bruchstein- und Ziegelmauerwerk. Auf dem Mittelteil stand ein Rittergutsturm. 1877 wurde das Gebäude umgebaut, der Turm abgetragen und in größerer und höherer Art mit einer Turmuhr, die volle und halbe Stunden schlug, neu errichtet. 1945 Umbau zu einer Neubauernstelle, in den 70er Jahren erfolgte der Rückbau des Turmes, das Schlagwerk der Uhr wurde im Kirchturm eingebaut.


16. Ehemalige Rittergutsscheune, Lindenallee 15


Erbaut im 18. Jh. In Bruchsteinmauerwerk mit Krüppelwalmdach und Fledermausgauben. Nach 1945 eine Teil abgebrochen und der Rest als Neubauernstelle ausgebaut. Mitte der 90er Jahre wurden die Biberschwanzziegel wegen einer geplanten, aber nicht ausgeführten Neueindeckung heruntergenommen.

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